Blog 2021
Teilnahme an der 18. CMAS UW-Photo Weltmeisterschaft
04. - 09. Oktober in Porto Santo (Madeira) / Portugal
Offizielle Homepage: www.madeiraunderwater.com

09.10.2021 / Galadinner

Wir wurden alle zu einem grossen Galadinner eingeladen. Da ging ordentlich die Post ab. Die Portugiesen und vor allem unser Freund Pedro Vasconcelos haben eine super Weltmeisterschaft organisiert und durchgeführt. Am Schluss sah man doch einige Fotografen und Filmer die sich eine viel bessere Platzierung erhofft hatten. Dies war vor allem bei Portugal und Deutschland der Fall. Nun - es ist eben auch eine Glückssache, ob einem die richtigen Motive im passenden Moment vor die Linse schwimmen und man die Kamera auch richtig eingestellt hat.

Für Tinu und mich endet so eine weiteres gigantisches Erlebnis.


09.10.2021 / Siegerehrung - Schlusszeremonie

Der heutige Tag hat etwas turbulent begonnen. Magda hatte sich über Nacht eine Grippe eingefangen. Am Morgen gingen wir dann zur Sicherheit ins Spital einen Covid-Test machen. Wir wollten ja die anderen Teams nicht anstecken. Nach 2 Std im Spital war's dann klar, dass es kein Covid war. Gerade speditiv ist diese Übung aber nicht erfolgt, das Warten war mühsam.
Um 1100 begann dann die Siegerehrung. Die von uns als Winner gehandelten Portugiesen, Spanier und Italiener haben nur teilweise brilliert. Der grosse Winner war der Fotograf aus Chile, er konnte 2 Goldmedaillen abholen. Ich mag es dem super netten Kerl von Herzen gönnen. Gugliemo aus Italien konnte dann auch noch eine der 6 Goldmedaillen ergattern. - Super -
Im Weitwinkel kam ich mit dem Wrack-Foto auf Rang 6. Gar nicht schlecht, ich hatte ja auf dem Wrack so meine liebe Mühe mit den anderen Fotografen.

Mein Kollege Markus hatte sogar ein Bild auf Rang 5. Damir aus Kroatien hatte im Vorfeld grossen Bammel. Es hatte Ihm gleichwohl zu Gold in "Creativ" gereicht. Der super nette Kerl verdient ja auch sein Leben mit UW-Fotos und fotografiert für National Geography, etc. Solche Typen spielen einfach in einer ganz anderen Liga als wir Süsswasser-Fotografen.
Nachfolgend ein paar Eindrücke rund um die Preisverleihung:

08.10.2021 / Ruhetag - TV

Heute wurde ich von meinen portugiesischen Kollegen angequatscht, dass sie mich auf dem grossen portugiesischen TV-Sender RTP gesehen haben. Auch aus der Schweiz kamen schon Feedback's. Nun - für den nächsten TV-Auftritt muss ich unbedingt zuvor in die Maske und den Bauch einziehen. Einem kurz nach einem strapaziösen Wettkampf-Tauchgang und noch vor der Douche zu Interviewen ist ja schon etwas fies. Die Werbung kommt übrigens nicht von mir.
https://www.rtp.pt/madeira/desporto/mergulhadores-encantados-com-o-porto-santo-video_75333


07.10.2021 / 2. Wettkampftag

Am Morgen war's am Tauchplatz "CAIC" heftig. Strömung und Wellengang wie doof. Ich hatte schon 50 Bar Luft verschossen, bevor wir bei Felsblöcken in den Strömungsschatten kamen. Dort hat uns dann die Dünung voll hin und her geschaukelt. Fotografieren war äusserst mühsam. Am Nachmittag ging's zum Schluss auf das Wrack "Cordeca" - Geprügel unter Wasser um die besten Positionen. Der Türke war da äusserst agressiv. Als er dann einfach nicht vom Bug weg wollte, musste ich den Typen mit Bodycheck mal vertreiben. Die Position war dann super, aber dafür sind mit mittlerweile die Dänen und Schweden ins Bild geschwommen. Ein NoGo, des sollte ja keine anderen Taucher im Bild haben. Genervt bin ich dann vom Wrack weg und bin in 20m Tiefe dem Barrakuda-Schwarm nachgepaddelt. Diese waren nicht in einer besonders guten Model-Laune.
Danach hatten wir es hinter uns. Ich war voll kaputt. Seit 2 Tagen hatte ich noch einen Käfer erwischt und war voll auf Imodium. Am Abend um 2300 mussten dann die Fotos eingereicht werden. War so platt, dass ich dann beim Thema die Nummer vertauscht hatte. Shit happens.

06.10.2021 / offizielles Training und 1. Wettkampftag

Woahhh - ich bin etwas auf den Felgen. Bei starker Strömung und Wellengang haben wir den Trainingstag an den Tauchplätzen "Ginjia" und "Poio" absolviert. Bei "Poio" kamen wir auf den letzten Zacken ans Ankerseil zurück, hingen dann wie Fahnen in der Strömung und mussten zuletzt ohne Luft aus der Flasche zu atmen zum Boot auf Position 3 zurückschwimmen. Ich habe dabei so viel Salzwasser gesoffen, dass man damit für 100 Mann Spaghetti hätten kochen können. - Mit 21 Bar Reserveluft kam ich aufs Boot, unter 20 Bar ist man disqualifiziert. Knapp gut gegangen. Die Fotos waren Sch.....

Der 1. Wettkampftag erfolgte dann bei gleichem Wellengang wieder an denselben Tauchplätzen. Das Fotografieren hat einigermassen gut geklappt, das Krebs-Vieh habe ich im Kasten, Fisch ev. auch. Ich kam beim ersten Tauchgang wieder mit 21 Bar hoch, habe aber alles Wasser im Meer gelassen. Beim 2. Tauchgang gings dann gemütlicher zu und her. Hatte eine Fotosession mit 2 netten Garnelen (die waren aber extrem lichtscheu), und kam danach mit 36 Bar auf den Dampfer. Soweit sind wir gar nicht schlecht auf Kurs. Mit der Garnele sollte es unter die besten 15 reichen. Wir werden sehen.
Fotos gibt's für Euch noch keine. Ist ja bis zur Eingabe alles top secret.

04.10.2021 / Eröffnung der WM

Endlich gab's heute die Eröffnungsfeier der WM. Die Portugiesen haben da eine grosse Fête auf die Beine gestellt. Viele Einheimische waren mit dabei. War schon eigenartig, wenn Grossmütter wie wild winken und uns fotografieren. Nun - es hatte auch jüngere Ladys darunter. Zuerst gab's eine Parade in der Altstadt auf den Stadtplatz, danach viele Ansprachen und dann ein stilechtes Apéro mit Portwein. Der Kommandant von Madeira ist gleich mit Kriegsschiff vorbeigekommen. Die Kuwaitis sind schon schräg, aber super herzlich und lustig. Die haben gleich auch das kleinste Model mitgebracht. Ja und wieder habe ich so einen Athleten-Pass bekommen, damit kann man dann äusserst wichtig in der Bar ein Bier bestellen.
Danach gab's dann das Technical Meeting. Wir sind wieder mit Italien auf dem Boot - gleich wie an der WM vor 2 Jahren in Teneriffa. Hoffentlich kommt dies gut!

03.10.2021

Letzter Tag unseres Vortrainings. Morgen geht's mit der Eröffnung der WM los. Mittlerweile sind alle Teams eingetroffen.

02.10.2021 / Weniger Wellen

Heute war es vom Wellengang schon viel angenehmer. Die Boys von Kuwait sind schon eine eigenartige Gruppe. Voll motiviert, da wird immer gesungen und auf dem Boot ist bei denen der Teufel los. Aber es herrscht auch Chaos bei denen auf dem Boot. Heute hat doch auch noch ein Kuwaiti seine teure Kamera gleich beim Reinspringen im Meer versenkt. Veronique aus Frankreich konnte dies auf 25m gleich auffangen, sonst wäre das Teil aufs Wrack geknallt. Auf dem Wrack hats mittlerweile bald mehr Taucher als Fische. Ab all der Blasen fühlt man sich wie im Whirlpool. Mein Training war aber gleichwohl recht gut verlaufen.

Kurz zur Info: Wir müssen je ein unbearbeitetes Foto (nix am PC rumfummeln) in folgenden Kategorien abgeben: Weitwinkel / Weitwinkel mit Model / Fisch / Makro / Creative und in der Spezialkategorie "Krabbenartige Tiere". Darum sind wir auch immer hinter diesen Garnelen her. Davon findet man fast keine. Weiter gibt es unzählige Regeln, was erlaubt ist, oder was eben nicht, oder gar zur Disqualifikation führt. Jeder Teilnehmer kann in 4 Disziplinen mitmachen. Total gibt's am Schluss 6 neue Weltmeister.


01.10.2021 / Tauchen in der Waschmaschine

Die heutigen Tauchgänge waren schon krass. Wir hatten vor allem am Tauchplatz "Poio" massiven Wellengang. Das Einsteigen ins Zodiac wurde zur Zirkusnummer. Der Italiener Francesco war wieder mal im Kamikaze-Modus. Er und seine Frau kamen ohne Luft an die Oberfläche - dies gab massiv Ärger mit der Rennleitung. Auch in 15m Tiefe schüttelte es einem noch durch. Makrofotos werden so zur Lotterie. Zudem ist das Wasser nun trüber. Ich konnte die Kamera bei dem Geschaukel nicht mehr ruhig halten. Zudem hatte ich auch Probleme mit der Speicherkarte. Nun - für den Wettkampf kann es nur besser werden. Endlich ist auch das 2. Schweizer-Team eingetroffen. Markus hatte aber voll Pech, seine Tauchtasche steckt noch in Lissabon. Morgen wird er aber mit Mietmaterial von RheaDive mit dabei sein. Dann geht's nochmals auf das Wrack "Cordeca" und zum Tauchplatz "CAIC". Fotografieren auf der "Cordeca" ist obermühsam. Da sitzen 25 Typen auf dem Wrack und man soll ein Foto ohne Taucher drauf machen!

30.09.2021 / Viel Wind und Wellengang - die Trainings werden härter

Bei der Fahrt zu den Tauchplätzen werden wir massiv durchgeschüttelt und von der Gischt im Schlauchboot Eimerweise geduscht. So ist Duschen vor dem Morgenessen eigentlich sinnlos. Mittlerweile sind ein grosser Teil der Mannschaften eingetroffen. Darunter sind auch viele bekannte Gesichter von der WM vor 2 Jahren in Teneriffa wieder mit dabei. Wie eine grosse Familie - trotzt rauen Tauchbedingungen haben wir viel Spass. Mein Model und Assistent Martin ist super. Er stellt sich nun gekonnt (nach einem Crashkurs des Models aus Slowenien und meiner Bemerkung, dass wir in der Disziplin "Weitwinkel mit Model" gegen all die Supergirls anderer Nationen eh kein Brot haben) neben die Kanone auf dem Wrack "Cordeca". Zudem lässt er mich in Ruhe mit dem riesigen Barrakuda-Schwarm spielen und lockt am Tauchplatz "Ginja" die bissigen Drückerfische mit seinem Lampenkarabiner an. Daneben schuftet er die ganze Zeit mit meinem Material. Merci viu Mau Tinu!!!

Da hatte ich doch eine sehr fotogene Muräne angetroffen - Magda meinte beim Sichten der Fotos aber, dass da was eigenartig aussieht - nun, die Muräne war blind. Unseren Geheimspot mit den beiden Garnelen hat der Portugiese Joao leider auch schon entdeckt - dies wird an der WM einen Fight um dieses Loch geben! Wir trainieren nun auch noch Unterwasser-Nahkampf!


28.09.2021 / Wir sind auf Porto Santo eingetroffen und schon tief im Training
Nach unserer Reise mit Übernachtung in Lissabon sind wir bei sommerlichem Wetter in Porto Santo eingetroffen. Unsere ersten Trainingstauchgänge an den Wettkampforten sind ruhig und ohne Stress verlaufen. Die Sicht ist besser als im Sommer. Mit uns sind auch schon die Teams von Portugal, Spanien, Slowenien, Deutschland und Chile da.


Vorbereitungen Juni - September

Training in der Schweiz Juni - September
Nach dem Hochwasser im Juni/Juli geht mir das trübe Wasser und die schlechte Sicht in den Seen wirklich langsam auf die Nerven. Ich kann nur Makro und Porträt-Fotos schiessen. Für Gegenlicht und Weitwinkelaufnahmen ist es zu trüb, oder hat zu viele Partikel. Aber ich gebe nicht auf!


Reise nach Porto Santo im Juni
Magda und ich sind einfach nur happy, dass wir nach dem langen COVID-Desaster einmal wieder ein neues Reiseziel erkunden dürfen. Wir erleben Porto Santo als gemütliche, kleine Insel mit herzlichen Leuten und einem ewig langen Sandstrand ohne Müll und Plastik. Wo gibt es sowas sonst noch? Genial! Zum Tauchen hat es 2 grosse Wracks mit enorm vielen Fischen. Ich habe für die WM die Tauchplätze alle erkundet und mich allen Viecher vorgestellt. Die Zackies hatten Spass dran, den anderen Fischen und Krabben war dies ziemlich Wurst. Nun - Hauptsache all diese Fische halten still, wenn ich sie an der WM fotografieren will.
=> Mein Bericht in der Schweiz. Tauchzeitschrift Nereus / Sept. 2021




Blog 2019
von der CMAS UW-Photo Weltmeisterschaft

17. – 22. September in Teneriffa / Spanien

Unser Blog erzählt von unserem Abenteuer an der 17. CMAS UW-Photo Weltmeisterschaft in Teneriffa. Bleib informiert und schau regelmässig rein.

11.09.2019
Wir sind auf Teneriffa angekommen. Mit der Hotelbuchung hat's zuerst trotz monatelanger Reservation nicht so richtig geklappt, aber nun haben wir gleichwohl ein Bett gefunden. Morgen beginnt unser Training.

16.09.2019
Wir haben unser Training abgeschlossen. War härter als gedacht: immer wieder Tauchen - Apéro - Essen - und dann mal Schlafen. Mit dem Blog hat's nicht geklappt. Sorry! Nun waren wir bereits mit den Teams von Italien, Portugal, Chile (hat das hübscheste Model), Belgien und Frankreich zusammen auf dem Boot. Mit allen haben wir einen grossen Spass. Nur mit den Spanier ist es schon eigenartig. - Wir sitzen wie Sardinen auf kleinen Gummiböötchen und die Spanier rauschen mit einer grossen Jacht mit einem 12 köpfigen Team an. Dafür können sie dann nicht mal richtig "Hola" sagen. Nun - mit Frankreich, Italien und Portugal haben wir uns zusammen getan um den Spaniern ein Bein zu stellen. Notfall opfert sich einer von uns, schwimmt dem Spanier immer ins Bild und macht doofe Faxen!
Gestern gab's ein inoffizielles Nachtessen mit einigen andern Nationen - war super - geplant waren 15 Personen - wir waren dann über 70 Leute in einer kleinen Fischbeiz am Hafen. Super Stimmung!
(Ja - die Spanier sind zu spät gekommen, hatten keinen Platz und mussten ohne Znacht wieder zurück)
Morgen beginnt nun die WM offiziell. So richtig mit Fahnenparade, viele Ansprachen von ganz besonders wichtigen Typen (die niemand kennt), Begrüssungsapéro und dann Auslosung wer mit wem auf welches Boot darf oder muss.

18.09.2019 / WM-Training
Ich werde nun also von den Organisatoren offiziell als «Athlete» bezeichnet – ist schon eigenartig, mit 58 so zu diesen durchtrainierten Typen zu gehören. Aber wenn die das so finden, glaube ich auch etwas dran. Ich sehe es ja jeden Tag im Spiegel.

Nun haben wir den offiziellen Trainingstag hinter uns. Dies ging eher chaotisch zu und her. Viele spanische Ansagen was man darf und was nicht, mit anschliessend knapper Übersetzung.

Zum Glück bin ich mittlerweile mit den Chilenen, den Portugiesen und den Franzosen gut befreundet, die helfen bei Unklarheiten. Ja – und wir haben unseren offiziellen Aufpasser, den Commissario Francisco zugeteilt erhalten. Ein älterer Typ, sehr herzlich – und nachdem Ihm beim ersten Tauchgang die Brille vom Steg ins Wasser fiel und Tinu diese 5 Std. später wieder gefunden hat – haben die Suizos bei Ihm einen Stein im Brett. Das Fotografieren in Makro ging ganz gut, habe meine Fische vernünftig hingekriegt und das Superminizeug wird Tinu dann morgen auch noch finden. Leider ist aber mein Sucher am Unterwasser-Gehäuse defekt, Ich sehe das was ich Fotografieren will nur noch durch eine Mattscheibe. Der Fokuspunkt ist immer hinter einer Wasserglungge versteckt. Ich bin also wie ein Rennfahrer mit einem halben Platten unterwegs. – Gebe nicht auf, den Spaniern stellen wir ein Bein und sonst wird mein Kollege Martin Bütikofer den Pokal in die Höhe stemmen. 


Am Schluss haben dann alle 45 Min auf den Bus gewartet (Tinu und ich in der Bar – war ganz gut – alle andern haben am Strassenrand geflucht)

19.09.2019 / 1. WM-Tag
Der erste Wettkampf-Tag ist durch. Ging so lala. Die kleinen Scheissvicher habe ich gar nicht richtig gesehen, habe aber gleichwohl voll draufgehalten. Tinu hat wie ein Trüffelschwein das Riff nach Besonderheiten abgesucht. Das Barschporträt – unser angestrebtes «Fisch-Sujet» hat nicht geklappt, «Herr Zackenbarsch» hat sich versteckt. Am Tauchplatz «Rosas» war dann recht Wellengang. Tinu habe ich als Retrotaucher im Outfit von «Captain Cousteau» vor 50 Jahren ins Wasser geschickt – so mit alter Fenzi-Weste, altem 2-Schlauch Automaten etc. Er hat’s überlebt, jedoch sicher etwas Wasser erwischt. – Ich habe einfach das beste und härteste Model hier an der WM! Tinu hat zwar immer die Beine etwas zu hoch (das kann das Model von Kroatien besser – die ist ja aber auch Überwasser als Model unterwegs), dafür ist Tinu aber nicht in einem pinken, oder gelben, oder stabilo-boss-blauen Anzug unter Wasser und lächelt immer.

Von den doofen Basaltfelsen am Tauchplatz «Rosas» habe ich nun die Nase voll. Da ist alles nur grau, braun oder blau. Keine schönen Farben, keine Gorgonien, keine farbigen Fischschwärme, nichts!


Für morgen muss ich noch den Interview-Text mit Television «ESP1» und mit dem Chilenischen Radio vorbereiten – bin voll im Elend – für «Wetpixel» darf/soll ich eine Reportage über die Schweiz schreiben. Beim amtierenden Weltmeister habe ich übrigens heute noch einen Fotokurs gebucht – falls er wieder gewinnt (Chance ist bei 80%) werden sonst die Kursgebühren teurer.

20.09.2019 / 2. WM-Tag
Nachdem nun der 1. Tag mit Makro-Fotos nicht besonders erfolgreich war, habe ich mich entschlossen am Stachelrochen-Tauchplatz wieder in Makro zu fotografieren. Die Stachelrochen kommen vor allem am Nachmittag und die Teams, welche am Morgen des 1. Tages dort waren, haben die Viecher nur kurz gesehen. Bei der Vorbereitung im Kamerazelt kam dann plötzlich Hektik auf. Der Team-Captain von Italien rennt zu mir und berichtet aufgeregt, dass die Spanier bescheissen. – Geht gar nicht! Nun, mit Italien, Portugal, Deutschland und Frankreich haben wir sofort einen schriftlichen Protest eingereicht und eine sofortige Untersuchung vom Chef-Schiedsrichter und vom Direktor von CMAS gefordert. Sonst würden unsere Teams nicht ins Wasser gehen. Was war passiert: alle Taucher haben 12lt Flaschen mit genau 200bar – die Spanier hatten 260bar und konnten so viel länger unten bleiben. Zudem hat der junge Spanier (amtierender Weltmeister) seine Bilder anschliessend an der Oberfläche schwimmend während einer halben Stunde bearbeiten (nach dem Auftauchen muss die Kamera abgegeben und darf nicht mehr bedient werden) und wahrscheinlich haben die Spanier die Anzüge mit Fischschleim eingerieben, um den Stachelrochen anzulocken. – Ein Riesendrama ging los, ans Tauchen war für eine Stunde nicht mehr zu denken. Nachdem die Untersuchung durch war ging's dann weiter. Wir haben einige gute Makrobilder hingekriegt. Am Nachmittag im Bufadero haben wir unsere Modelaufnahmen mit Fenzi-Weste und altem Automaten durchgezogen und natürlich auch nach den Rochen gesucht. Diese waren jedoch zu weit weg. Ich habe dafür den Norweger fotografiert, der in einem Tarnanzug als Freitaucher rumgeschwommen ist. Seither rennt er mir nach und will das Foto haben.

Nach dem Tauchen haben wir dann wieder die Speicherkarte abgegeben, das ganze Tauchgerümpel zusammenpackt und sind notfallmässig zum Bier gerannt. Im Hotel war ich dann schon etwas auf den Felgen. Um 20.15 habe ich dann meine Speicherkarte wieder gekriegt. Um diese Zeit haben wir dann gemeinsam mit den anderen Team-Chefs einen offiziellen Protest gegen Spanien aufgesetzt, unterzeichnet und eingereicht. Ausser Chile haben alle unterzeichnet. Danach konnte ich endlich meine Ausbeute kontrollieren. Diese war besser als am Vortag. Um 22.00 mussten wir dem Schiedsrichter alle die Angaben zu unseren 5 Bildern angeben. Das war der Plan und stand auch so im WM-Reglement. – Nun, nach viel GinTonic, rumhängen bis der Hintern nicht mehr zum Rest des Körpers gehörte und viel Gemotze, kam dann um 01.00 endlich Bewegung in die rund 80 Leute grosse Menge. Alle Team-Chefs wurden zum Chefscheidsrichter gerufen und es war definitiv klar, dass das Fotografen-Team von Spanien wegen unfairem Verhalten disqualifiziert war. – Die erste Disqualifikation einer Nation seit 34 Jahren – und dies waren ausgerechnet die Spanier, welche die WM organisiert haben. Wie kann man nur so doof sein, so plump zu bescheissen und dann noch glauben, dass man damit durchkommt? Danach gings dann erst ganz schleppend mit Bilderabgeben los – meine durfte ich um 03.20 abgeben. Danach bin ich tot ins Bett gefallen. Aber hei – ich habe mein WM-Ziel erreicht! Ich wollte in einer Disziplin einen Spanier schlagen (Weltmeister und Vizeweltmeister) – nun habe ich gleich beide überall geschlagen! Woauuu!

WM-Einreichung

21.09.2019 / Preisverleihung
Das Ausscheiden von Spanien war natürlich das Tagesthema. Kopfschütteln, Spott und Schadenfreude überall. Am Abend um 18.45 wurden wir dann alle ins Kongresszentrum von Arona gekarrt. Dort sollte kurz darauf die Preisverleihung stattfinden. 2 Stunden und 5 Bier später wurde klar, was los ist. – Einer der 7 Jurymitglieder (die waren weltweit verstreut und haben die Bilder via Datenleitung erhalten) hatte mitten in der Auswertung abgebrochen und ist zu einer Hochzeit gefahren. So einem Idioten sollte man die Flossen wegnehmen! Es musste ein Ersatzjury-Fritze gefunden werden und dieser musste mit Zeitverzug alle Fotos ebenfalls bewerten.

Irgendwann gings dann los. Ein multimegaschnell spanisch sprechender Moderator mit einer ins Englisch übersetzenden Kollegin haben dann durch den Abend geführt. Nun – meine Fotos haben mir keinen Plämpu beschehrt – aber mein Kollege Martin Bütikofer hat mit einem sensationellen Weitwinkelfoto mit Model die Silber-Medaille geholt – Super! Mega! Bravo! Nach dem Tanz der halb blutten Sambatänzerinnen gings dann zurück ins Hotel zum Festen. Es war eine gigantische Fete. Mit den beiden Weltmeistern aus Portugal und Italien waren wir schon die ganze Woche auf dem selben Boot und haben uns super verstanden. Ich habe mich riesig für die beiden gefreut und wurde natürlich schon von beiden eingeladen.

Fotos und Videos sind unter www.wetpixel.com zu sehen.

Nun – kaputt, aber um ein gigantisches Erlebnis reicher, treten wir am Montag die Rückreise an. Ich habe bei der WM-Feier auch erfahren, dass ich ja auch für die EM im 2020 nominiert bin. Mal schauen, ob ich mit all dem gelernten an die EM nach Italien oder Portugal gehe. Reizen tut es mich schon. Wir haben so viele gute Leute gefunden und diese in unser Herz geschlossen.

Internationale Links zur Foto-WM:
www.wetpixel.com
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